Laufen auf Sylt: Sind 33,333 km nicht genug?

April 1, 2018

Der Wecker klingelt – 04:30. Zeit zum Aufstehen! Der Lauf beginnt um 10:00.
Draußen bläst der Wind und es ist kalt: gefühlt -20 Grad.

 

Aber das war es ja schon am Tag zuvor so, als wir die Fähre von Insel Römö aus nutzen, um unser Quartier nahe List auf der Insel Sylt zu erreichen.

Mit dabei von den Braunschweig Hash House Harriers sind Kathrin, Agnieszka, Claudia, Katja, Klaus, David, Swen und Marco.

 

Unsere Unterkunft liegt sehr idyllisch in einer einsamen Dünen- und Heidelandschaft.

Als ich gegen 05:15 los lief, war es allerdings noch stockdunkel. Wenigstens hatte ich am Vorabend (Samstag, 17.03.) den Weg zum Westufer bereits erkundet – wusste, wie ich zum Stand: meiner Laufstrecke komme.

 

*Brrr* ist das kalt! Was hab ich mir bloß dabei gedacht, einfach von unserer Unterkunft (nahe dem Ziel) aus zum Start des Laufes (nach Hörnum) zu laufen? Naja, zu groß war wohl die Verlockung von 40 km feinstem Sandstrand – einer durchgehend 50 m breiten Laufstrecke nur für mich ;-)

Und tatsächlich begegnete mir bis 06:30 Uhr keine Menschenseele. Ich wurde ganz und gar eins mit der Natur: Schritte in den Sand setzend und eine Spur durch den Schnee der letzten Nacht ziehend…

 

Den Sonnenaufgang im Osten nahm ich genauso wahr wie den immer noch eisig wehenden Wind. An den bizarren Strukturen von Eis und Muscheln machte ich daher nur kurz halt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine Neo-Socken und die Sandalen sind schon eine gute Kombination: so kann ich bedenkenlos mal durch einen Priel laufen, durch den noch etwas Wasser abfließt aufgrund der Gezeiten. Ebbe ist es gerade, was mir einen zusätzlichen Streifen zum Laufen lässt, der allerdings recht hart gefroren ist, so dass es sich zwar relativ zügig aber zugleich auch ungedämpft laufen lässt. Ich erreiche Westerland.

 

 

Die Kilometer wollen kein Ende nehmen: schier endlose Weite. Ich muss ab und an auf die Uhr gucken, um mich zu orientieren: Westerland müsste etwa die Hälfte sein, also weiter! Wann ist nochmal gleich der (offizielle) Start?

 

Meine Uhr zeigt 09:00 Uhr und noch kein Hörnum in Sicht. Ich steige auf eine hohe Düne, um einen Überblick zu bekommen und da sehe ich in der Ferne den Leuchtturm dieser auf Sylt am südlichsten gelegenen Stadt.

 

In Hörnum angekommen treffe ich 4 Läufer (Wiederholungstäter). Einer fragt mich scherzhaft, on ich den ganzen Weg von List (im Norden) nach Hörnum gelaufen bin. Als ich dies Bejahe, ernte ich eine Menge Respekt: sehe ich doch ganz schön fertig aus...

 

Nun gilt es, schnell meinen Rucksack mit der Verpflegung und dem warmen Tee zu finden, den ich den anderen mitgegeben hatte… Zum Glück treffe ich die Gruppe und kann meine Neo-Socken gegen Laufschuhe tauschen, die für den Asphalt sicherlich die bessere Alternative darstellen ;-)

 

Auf geht’s: mit all den bunten Läufern und Läuferinnen starte ich pünktlich um 10:00 gen List – begebe mich auf den Weg zurück. Und so läuft es die ersten 10 km auch ganz gut, bis zum ersten VP, an dem meine sehnsüchtige Erwartung nach einer Aufpäppelung durch alternativloses, eiskaltes Wasser enttäuscht wird.

 

Alles tut mir inzwischen weh: Unterschenkel, Oberschenkel, Knie, Rücken. Ich kann nur noch wechselnd gehen und laufen, wobei das Gehen den Großteil der Zeit einnimmt. So zieht währender der folgenden 5 km das Feld an mir vorbei und ich bin da, wo ich noch nie war – im Gespräch mit geschätzt 70 Jährigen, die im 7:30-Minuten-Schnitt langsam aber zielstrebig an mir vorbeiziehen…

 

In diesem Zustand erreiche ich Westerland, wo mich der Sprecher an der Promenade sogar beim Namen nennt, um mich zu motivieren. Ich jedoch habe inzwischen einen anderen Plan: nehme die Schaumküsse am VP noch mit, lege mich in die Sonne, beobachte 10 Minuten später, wie der Besenwagen vorbeifährt und steige nach geschätzt 50 km insgesamt mit einem guten Gefühl aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich erinnere mich, dass es mit der Startnummer einen kostenfreien Eintritt zur Badewelt gibt und nehme daher die Gelegenheit wahr, unter Blubberblasen und Dampfsauna meinen Körper wieder auf Betriebstemperatur zu bringen. Die „gefürchtete“ Gegenwindstrecke zwischen Westerland und List lege ich mit dem Bus zurück.

 

Ganz gut gestärkt allerding ohne Medaille treffe ich die Anderen wieder: wir haben viel zu erzählen ;-)

 

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Bericht vom Sylt Lauf 2018 von

Thomas Schmidt - Lauftreff Braunschweig - 01.04.2018

Neugierig geworden? Mehr vom Lauftreff Braunschweig findest Du hier!

 

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